Dreimal an einen Spiegel zu klopfen ist keine feste, historisch belegte Tradition. In Volksglauben und Legenden tauchen jedoch mehrere Elemente auf, die sich damit verbinden lassen: die Zahl Drei, das Klopfen als Zeichen und der Spiegel als Übergang in eine andere Welt.
Dieser Beitrag erklärt, woher diese Vorstellungen stammen.
Gibt es einen Brauch „Spiegel dreimal klopfen”?
Nach heutigem Kenntnisstand ist kein verbreiteter Volksbrauch dokumentiert, bei dem man dreimal an ein Spiegelglas klopft. Der Ausdruck wird meist in Geschichten, Foren und Erzählungen über Rituale verwendet. Wer ihn googelt, trifft deshalb hauptsächlich auf Einzelberichte und Erfindungen, nicht auf überlieferte Praxis.
Dreimal Klopfen: woher kommt das?
Das dreimalige Klopfen ist aus anderen Zusammenhängen bekannt:
- Auf Holz klopfen: Wer etwas „unberufen” sagt, klopft dreimal auf Holz, um Unglück abzuwenden. Verwandt ist das „toi, toi, toi”, das an Bühnen und Prüfungen verwendet wird.
- Anklopfen: In vielen Erzählungen kündigt dreimaliges Klopfen Besucher an, etwa in Märchen und Geistergeschichten.
- Rituale: Die Drei gilt in vielen Kulturen als Zahl der Vollständigkeit. Zauber und Beschwörungen werden oft dreimal wiederholt.
Spiegel im Aberglauben
Spiegel gelten in vielen Kulturen als besonders. Bekannte Vorstellungen:
- Der verhängte Spiegel: Nach einem Todesfall wird in manchen Regionen der Spiegel verdeckt, damit die Seele des Verstorbenen nicht darin hängen bleibt.
- Der zerbrochene Spiegel: Er soll sieben Jahre Unglück bringen. Die Vorstellung wird oft auf die Römer zurückgeführt, die glaubten, dass sich die Lebenskraft in sieben Jahren erneuert.
- Der Spiegel als Tor: In Märchen und Sagen führt der Spiegel in eine andere Welt oder zeigt, was verborgen ist, zum Beispiel in Schneewittchen („Spieglein, Spieglein an der Wand”) oder in Alice hinter den Spiegeln.
Bloody Mary und verwandte Legenden
Die bekannteste moderne Spiegelprobe ist die Legende von Bloody Mary. Wer in einem dunklen Raum vor dem Spiegel mehrmals ihren Namen sagt, oft dreimal, soll eine Gestalt erscheinen lassen.
In Filmen wird das Motiv aufgegriffen: In Beetlejuice (1988) ruft man einen Geist, indem man seinen Namen dreimal sagt, in Candyman (1992) fünfmal. Als Mutprobe wird das Spiel besonders unter Jugendlichen erzählt.
Was Psychologie dazu sagt
Wer lange im Halbdunkel in einen Spiegel schaut, erlebt oft Erstaunliches. Der italienische Psychologe Giovanni Caputo beschrieb 2010 die „Strange-Face-Illusion”: Nach einigen Minuten verzerrt sich das eigene Gesicht, und manche Menschen sehen fremde Gesichter oder Gestalten.
Ursache sind Wahrnehmungseffekte des Gehirns, die bei gleichbleibendem Reiz entstehen. Das erklärt, warum Rituale vor dem Spiegel in Erfahrungsberichten so überzeugend wirken können.
Spiegelrituale und Sicherheit
Wer Spiegelrituale aus Neugier ausprobiert, sollte bedenken: Dunkelheit, Anspannung und Müdigkeit verstärken Wahrnehmungstäuschungen. Menschen, die sich dadurch stark ängstigen oder Stimmen und Erscheinungen auch außerhalb solcher Situationen erleben, sollten das mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
Das Motiv in Literatur und Film
Das Motiv, dass ein Spiegel auf ein Zeichen reagiert oder „antwortet”, ist in Geschichten beliebt, weil es mit einem Blick in die eigene Wahrnehmung spielt: Wer antwortet, wenn wir klopfen? Der Spiegel, wir selbst oder etwas Drittes?


